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Bienale Winterthur 1996, Erdgebunden – Unendlicher Raum.

Jenseits der Sehkonventionen baut ein Mensch ein inneres Gefüge. Sperrig in der Form, spröde in der Oberfläche, verhangen in den Farben, forscht hier jemand selbstvergessen auf eigenen Wegen. Trotz ihrer Monumentalität stehen die drei Gefässe sehr still beieinander. Wer in die Landschaft lauscht, mag am Talende eine leise eigentümliche Melodie hören. Kennen wir sie? Vielleicht ist sie uns fremdgeworden. (Gabi Dewald, Jurybericht ASK Winterthur 1996: „Gefässe sind Geschichte – Gefässe machen Geschichte“)

Schachen Galerie Oensingen 1998

Im Zentrum der Arbeit der Tessiner Keramikerin Brigit Hurst steht die Verbindung von Handwerk und prähistorischer Symbolsprache. Diese Themen ergänzt sie mit persönlichen Experimenten. In der Oensinger Schachen Galerie sind Beispiele ihres Schaffens zu sehen.

Wie keramische Gefässe auf der Scheibe produziert werden, hat Brigit Hurst vor mehr als zehn Jahren gelernt. Dieses Handwerk benötigt sie heute nur noch, um für das Experimentieren mit Glasuren oder Mischmaterialien eine klassische Grundform herzustellen. Angetan von der Ästhetik prähistorischer Vorrats- oder Kochgefässe – vor allem aus Nordamerika – hat für sie vor wenigen Jahren eine grundlegende Änderung begonnen. Der Entstehungsprozess eines Gefässes oder Objektes basiert nun mehrheitlich auf der «primitiven» Handaufbaumethode und das im Rhythmus des sich Vertiefens. «Manchmal erinnert mich meine Arbeit an die von Tierbauten, wie von Vögel, Termiten oder Insekten», versucht Brigit Hurst das Geschehen während ihrer Arbeit zu um schreiben. Und wenn man die bauchigen Gefässe so betrachtet, ist die Vorstellung, sich darin auszuruhen, nicht absonderlich. Die Gefässstrukturen wirken massiv und vermitteln Geborgenheit. Interessant ist die durch Rauchbrand entstandene Schwärzung der Gefässe.

Aber nicht nur die Formen, auch die Symbolkraft, mit der die Künstlerin arbeitet, ist tiefgründig. Das Universum mit seinen mystischen Inhalten steht dafür nicht selten Pate. Hurst hat für sich eine Glasurentechnik entdeckt, die mit Wachs arbeitet und die ganz verblüffende Resultate zulässt. Die Keramikerin wohnt und arbeitet im Tessin, wo sie auch Lehrgänge anbietet. (Iris Reolon in der Neue Mittelland Zeitung, 13.11.1998)

Biennale 2000, Luzern

Brigit Hurst gab ihr Bestes, um den Ruf von der schweizerischen Zurückhaltung zu zerstören. Mit plötzlich wild herumwirbelnden, zart gefärbten Tornados auf exakt gedrehten weissen Porzellan-Körpern kombinierte sie das Gute aus zwei Welten. Dies ist eine verschmitzte und mutige Anwendung ihrer feinen Aufbautechnik und gehört für mich zu den besten Arbeiten der Ausstellung (Patrick King, Biennale 2000, ASK Bulletin 125:4-14).

Biennale 2000, Luzern

Brigit Hurst a fait de son mieux pour casser la réputation de retenue suisse. Elle combina le bon de deux mondes: Sur des bases en porcelaine blanche, tournées avec précisions, tourbillonnent soudain des tornados agitées, colorées aux couleurs tendres. C’est une utilisations futée et courageuse de sa technique de modelage. Pour moi, un des meilleurs travaux de l’exposition. (Patrick King, Biennale 2000, ASK Bulletin 125:4-14)

The Hidden Essence, Locarno 2000

“The Hidden Essence” (der verborgene Kern) nennt die Keramikerin Brigit Hurst ihre neusten Objekte. Form, Farbe und Struktur deuten auf Organisches hin; die in sich geschlossenen Körper erinnern an stark vergrösserte Samenkapseln oder verpuppte Rieseninsekten. Auch Strandgut könnte es sein, vom Meer angespülte Fundstücke, die zwischen Wasser und Sand auf Verwandlung warten. Dem Betrachter steht frei, seinen Inhalt zu imaginieren, das Objekt in die Hand zu nehmen und die Oberfläche zu erfühlen. Die Struktur ist dem Wespennest verwandt oder ähnlichen Behausungen aus der Insekten- oder Tierwelt.

Brigit Hurst baut diese Körper aus Ton von Hand auf, ohne Werkzeug. Sie braucht auch keine Abstellfläche, sondern arbeitet körpernah im Schoss. Sie hat die Technik mit den leicht überlappenden Wülsten den Indianern Nordamerikas abgeschaut, die diese bereits seit dem achten Jahrhundert für ihre Kochtöpfe anwandten. Durch Rauchbrand ergeben sich Färbungen, die über die natürliche Tonfarbe zu Grau und Schwarz in feinsten Schattierungen reichen. Das Objekt wirkt lebendig und geheimnisvoll. Feuer ist spürbar.

Diese neue, geschlossene Form und die bereits bekannten Spiralvasen hat die Keramikerin aus ihren offenen, archaisch anmutenden Gefässen entwickelt. (Tina Stolz, Tessiner Zeitung 27.7.2000)

Inner tranquility – inner rhythm

An exciting mixture 33 year old Brigit Hurst lives in the Swiss region of Ticino yet draws her creative inspiration mainly from prehistoric ceramics, pueblo pottery in particular. After completing her studies at the Bern college of Applies Arts she made several study trips to Colorado, USA. It was there, in museums and workshops that Brigt Hurst first came across the pueblo pottery (above all Anasazi pottery) that made such a lasting impression on her. Up to the present day she has always been fascinated by the use of the hands as the only tool, seemingly so “primitive” and simple, yet, in actual fact, so artful and inexhaustible. The use of various stoneware and porcelain bodies, some of which she mixes herself, the combination of thrown and built-up elements – often in one piece – , the of glazes, stains and engobes – all this is rooted in the same feature that gives the pieces their fascination: the rhythm of working with the hands, giving rise to even but never perfect or uniform surfaces and shapes. In 1996 the renowned Swiss potters’ association “Arbeitsgemeinschaft Schweizer Keramiker ASK” awarded her smokes “vessels for invisible contents” with a prize. The most contemporary. Most “modern” variation of Brigit Hurst’s theme are without doubt her around 50 cm high “spiral vases” from partly glazed porcelain. Simone Haack-Marioni, Keramik Magazin 5/2000.

Erde – Leib Terra – Corpo. Ein Zyklus. Locarno 2001

Die Keramikerin Brigit Hurst hat für diese Ausstellung den Krug zu ihrem Thema gemacht. Sie inspiriert sich dabei an den Texten der grossen chilenischen Dichterin Gabriela Mistral, die die Erde, den Staub, der Toten sprechen lässt: “Ein Töpfer ging vorüber, und als er sich setzte, um auszuruhen, liebkoste er die eine und die andere Erde sanft…Sie sind weich, sagte er: sind beide gleich weich, obwohl die eine dunkel und die andere blutigrot ist. Ich werde sie mitnehmen und aus ihnen einen Krug formen.” (aus “Die Feindin”).

Wir entstehen aus Staub, wir werden zu Staub. Staub ist Erde, daraus formen Töpfer und Töpferin ihre Gefässe. Gefässe begleiten uns durchs Leben. Wir bewahren darin Nahrung auf, aus dem Krug stillen wir unseren Durst. Am Ende unseres Lebens wird unsere Asche zum Inhalt des Kruges, der Krug wird zur Urne.

Brigit Hurst arbeitet zyklisch. Auf das Thema Kokon, das Metamorphose, aber auch Geheimnis beinhaltet, folgt der Krug. Die Form hat sich geöffnet und gibt ihren Inhalt preis. Aber immer ist Verwandlung, Sterben und Werden, Ende und Neuanfang gemeint. Sich mit dem Tod befassen, ist eine Möglichkeit, das Leben zu begreifen. Brigit Hurst setzt sich damit auseinander. Sie vergleicht den Menschen mit dem Krug: auch dieser hat Lippen, Bauch und Hals, der Henkel ähnlich einem anmutig auf die Hüfte gestützten Arm. Und so wie der Krug uns nährt, nährt der menschliche Leib zukünftiges Leben, ist Gefäss des Geistes.

Formschöne, einfache Gefässe haben Würde, das wussten schon unsere Vorfahren. Im Atelier von Brigit Hurst im vicolo della Motta, können wir es neuentdecken. (Tina Stolz, Tessiner Zeitung 7.8.2001) 

Galerie 3.2.1. Zug 2002

Für seine fünfte Ausstellung in der Galerie 3.2.1 konnte Erni die Keramikkünstlerin Bngit Hurst engagieren. Einige Objekte, welche die gebürtige Bernerin in Zug ausstellt, erinnern an stark vergrösserte Samenkapseln, an verpuppte Rieseninsekten oder an Strandgut, das ,ein Geheimnis birgt. Ob man die geschlossenen Körper nur betrachtet oder ob man sie in die Hand nimmt, stets vermögen sie intensive Gefühle zu wecken. Das mag daher rühren, dass Brigit Hurst ähnlich wie prähistorische Töpferinnen arbeitet. Sie baut die Körper aus ,Ton ohne Werkzeug auf Sie braucht auch keine Abstellfläche, sondern arbeitet körpernah, sozusagen im Schoss und aus dem Schoss heraus. Die Technik der leicht überlappenden Wülste, die sie bei den Indianern Nordamerikas abgeschaut hat, die sichtbaren Spuren der Arbeit auf der Oberfläche und das Härten durch Rauchbrand hauchen den Objekten eine eigenwillige Lebendigkeit ein. Für Brigit Hurst steht ganz klar das Gefäss im Mittelpunkt, das stets bewohnt ist von Träumen. Seit 1998 betreibt die Keramikkünstlerin das Kurszentrum und die Arte Ceramica in Locarno, wo sie in verschiedenen Workshops ihre Erfahrung und die umfangreichen Fachkenntnisse weitergibt. (Margrith Lüthi-Boesch, Zuger Presse 30. April 2002)

Ceramics from Switzerland. From Renaissance until the present, Shigaraki und Aichi, Japan 2002

Brigit Hurst calls her most recent objects “The Hidden Essence”. Form, colour and texture all evoke an organic character, the volumes, complete in themselves, are reminiscent of greatly enlarged seed capsules or giant pupated insects. Rather than working with a bench or tabletop, Brigit Hurst forms her object close to her body in her lap. She acquired the technique of using slightly overlapping coils from the Pueblo Indians. (Tina Stolz 2000, Gallery 3.2.1. Zug 2002)

The fact that the art of throwing is still practised on a brilliant level by ceramists originating from the region of Bern is illustrated by the white, double walled porcelain vase composed of fluted and smoothly thrown elements by Aschi Rüfenacht (*1952, cat. 115) as well as by the extremely thinly cut bowl by Arnold Annen (*1952) with its translucent horizontal stripe bearing a magnificent porcelain slip brush decor in toning shades of white (cat. 116), Annen also developed a technique of giving vessels a scale surface texture (cat. 117) which he has recently taken to the extent of perforating the walls of the vessels. Vessels with perforated walls are currently the trend and are represented by examples by Cornelia Troesch (* 1955, cat. 1 18), and Andreas Steinemann (* 1957). The dish by the latter artist takes the form of a black and white ribbon coiled into a knot (cat. 119). Regula Brenner-Nünlist’s (*1954) pouch-shaped vessel decorated with colourful relief applications gives the impression of playful, trendy trompe-l’oeil (cat. 120); and Ruth Amstutz’s (* 1962) white cast porcelain cushion also has a trompe-l’oeil character (cat. 12 1).

The work of Violette Fassbänder, Walter Ulrich and Brigit Hurst, on the other hand, is reminiscent of forms from nature. Violette Fassbänder’s (* 1958) block-like sculpture conjures up the image of a fragment originating from the shell of a huge spherical body (cat. 122), and Walter Ulrich’s giant vertebrate (cat. 123) and Brigit Hurst’s Cocoon (cat. 124) are evocative of primeval forms of life. The works of both these artists are molded by hand and fired black or with black traces of smoke. Walter Ulrich (* 1953) found his current way of working through the shock of a fire in his studio; and for Brigit Hurst (* 1967) studies in Colorado, USA, in 1995/97, proved important, in which she discovered the culture of the Pueblo Indians.

In these recent works, form is no longer determined by function but by the artist’s concept. Vessels whose content and meaning was hollow space have yielded to objects with an outward-oriented eloquence which seek dialogue with the space around them. In some cases gravity would appear to have been overcome by technical skill or trompe-l’oeil effects. One thing, however, is common to them all: the attempt at self-assertion in the free space of free art. And this has never been easy, even in Switzerland. (Rudolf Schnyder, Ceramics from Switzerland. From Renaissance until the present, Japan 2002:29)

Innere Ruhe-Innerer Rhythmus

(Simone Haack-Marioni, KeramikMagazin 5/2000:26-29; Erstveröffentlichung im KeramikMagazin 5/2000).

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